Therapiebericht Curacao 2007

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Therapiebericht der Dipl.-Sprachheilpädagogin Heike Ervenich
vom Curacao Dolphin Therapy Center

Jasmin erhielt im Zeitraum vom 19.03. bis 30.03.07 insgesamt 10 Therapiesessions im CDTC.

Herzlich Willkommen im Curacao Dolphin Therapy Center. Es ist schoen, Jasmin und ihre Familie bei uns begruessen zu duerfen. Waehrend der ersten Therapie hatte Jasmin die Moeglichkeit, die neue Umgebung, Therapeuten, Mitarbeiter des CDTC und natuerlich die Delphine kennenzulernen. Im Jahr 2005 hatte Jasmin an einer Delphintherapie im DHT, Florida, teilgenommen.

Ausserdem wurde eine Befunderhebung zur Evaluierung des aktuellen Status durchgefuehrt. Ergaenzend zum Dolphin aid Erfassungsbogen wurde ein Familiengespraech gefuehrt, in dem unter anderem Jasmins Besonderheiten besprochen und Therapieziele festgesetzt wurden.

Taeglich wurden Elternmeetings zur Auswertung der Sessions durchgefuehrt.

Jasmins Therapieziele waehrend des Aufenthalts im CDTC wurden in Absprache mit ihren Eltern formuliert und beinhalteten folgende Punkte:

Reduktion der Spastik

Verbesserung der Handgreiffunktionen

Kommunikation

Wir lernten Jasmin als ein sehr aufgeschlossenes und froehliches Maedchen kennen, das mit seinem charmanten Laecheln schnell unsere Herzen gewann. Jasmin war mit ihren Eltern und ihrem Bruder Florian angereist, zu dem sie ein sehr inniges und herzliches Verhaeltnis hatte.

Im Anamnesegespraech berichteten uns die Eltern, dass Jasmin ein sehr freundliches Maedchen sei. Seit letztem Jahr besuche sie eine Koerperbehinderten- Schule. Jasmin spreche 6 Woerter: Mama, Papa, ja, nein, /gega/ (fuer Florian) und /dada/ (fuer Jasmin). Ja und nein verwende sie oft spielerisch und mache sich dann einen Spass daraus. Ihr Sprachverstaendnis sei sehr gut. Jasmin esse und trinke so gut wie alles, verschlucke sich aeusserst selten und manchmal sei Speichelfluss zu beobachten, insbesondere dann, wenn sie sich sehr auf eine Aufgabe konzentriere. Die Zunge koenne sie nicht nach oben bewegen, dafuer aber nach unten. Oft zeige Jasmin einen Zungenvorstoss (d.h. sie strecke oft ihre Zunge heraus) und manchmal beisse sie sich auch auf die Wangeninnenseite. Jasmin koenne mit Hilfe stehen, freies Sitzen sei nicht moeglich. Haufig ginge Jasmin in eine Ueberstreckung, insbesondere dann, wenn sie mithelfen wolle.

Vom ersten Tag an kam Jasmin bereitwillig mit zur Therapie und war schon immer sehr gespannt, was denn auf sie warten wuerde. Sie zeigte grosses Interesse an den ihr angebotenen Uebungen und viel Motivation bei der Mitarbeit.

Eine wichtige Voraussetzung fuer erfolgreiche Kommunikation ist das Herstellen von Blickkontakt. So kann man sich vergewissern, dass der Gespraechspartner seine Aufmerksamkeit auf das Gespraech lenkt. Jasmin war zwar in der Lage Blickkontakt herzustellen, machte dies aber nicht immer aus eigenem Antrieb. Auch auf Aufforderung stellte sie anfangs meist nur kurz Blickkontakt her. Konsequent forderten wir von Jasmin Blickkontakt ein, sei es bei der Uebergabe ihrer Kleidung oder waehrend einer Aufgabe. So gingen wir erst dann ins Wasser oder liessen Mateo ein kleines „Kunststueck“ ausfuehren, wenn Jasmin mit mir Blickkontakt aufgenommen hatte. Im Verlauf der Therapie war zu beobachten, dass Jasmin immer haeufiger Blickkontakt von sich aus aufnahm. Auch die Intensitaet des Blickkontaktes nahm zu.

Es kam haeufig vor, dass Jasmin beim Spannungsaufbau in die Streckspastik geriet, die sie nur mit Muehe wieder loesen konnte. Sie versuchte immer, uns bei den Transfers zu helfen, was aber meist in der Ueberstreckung endete. So forderten wir sie auf, z.B. beim Transfer alles moeglichst locker zu lassen und sich nach vorne zu beugen, damit wir sie aus dem Rollstuhl nehmen konnten. Anfangs fiel Jasmin dies sehr schwer, doch im Verlauf der zwei Wochen gelang es ihr immer haeufiger die von uns gewuenschte Position zum Transfer einzunehmen. Jasmin benoetigte ausreichend Zeit zum Einnehmen dieser Position, so dass es sich bewaehrte, rechtzeitig anzukuendigen, was man vor hat, um ihr dann genuegend Zeit zu geben, sich darauf einzustellen. In der therapeutischen Behandlung kamen intensiv Elemente der Castillo Morales Behandlung zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um ein Konzept auf neurophysiologischer Basis, bei dem die sensorische und motorische Entwicklung gefoerdert wird und ein Schwerpunkt auf der Behandlung des orofacialen Bereiches liegt. Mit Zug, Druck und vor allem Vibrationsreizen arbeiteten wir mit Jasmin in der motorischen Ruhe, bei der ein besonderes Augenmerk auch auf die Atmung gelegt wurde. Gleichzeitig verbesserten diese Reize die Koerperwahrnehmung und unterstuetzten die Vertikalisierung, sowie Stuetz- und Stemmfunktionen der Arme und Beine. Zum einen nutzten wir als Ausgangsstellung die Rueckenlage, aus der wir Jasmin dann auch in den Langsitz, Seitsitz mit Seitstuetz und in den Sitz mobilisierten. Bei diesen Uebungen zeigte Jasmin auch eine erhoehte Schluckfrequenz, so dass wahrend dieser Zeit kein Speichelfluss zu beobachten war. Insgesamt konnte Jasmin sich waehrend dieser Behandlung schoen entspannen und war mit Freude dabei. Bei den Vibrationen am Brustbein probierte sie haeufig ihre Stimme aus.

Zur Verbesserung der Handgreiffunktion fuehrten wir verschiedene Uebeungen durch. So sollte Jasmin bspw. einen Sternenturm abbauen und die einzelnen Sterne mit beiden Haenden abnehmen. Wir unterstuetzten dabei die Bewegungen der Arme und Haende, um Jasmin die korrekten Bewegungsinformationen zu uebermitteln. Auch das Zusortieren von verschiedenen Formen in eine Formenbox gelang Jasmin mit der rechten Hand mit mehr Hilfe und mit der linken Hand mit weniger Hilfe. Das Auffaedeln von groesseren Holzperlen gelang Jasmin auch gut. Auch im Wasser versuchte Jasmin immer haeufiger, ihre Arme und Haende gezielt einzusetzen, um sich z.B. an der Rueckenflosse von Mateo festzuhalten. Im Wasser musste Jasmin dann noch zusaetzlich Kraft aufwenden durch den durch das Schwimmen entstehenden Wasserdruck.

Jasmin zeigte haeufiger gute Entspannungsmomente in der Therapie, die wir dann z.B. dazu nutzten, Jasmin in die Paeckchenstellung zu bringen. Deutlich war zu erkennen, dass sie diese Position sehr genoss. Ebenso fiel uns deutlich auf, dass Jasmin im Wasser eine deutlich bessere Kopfkontrolle zeigte.

Zur Verbesserung der orofacialen Wahrnehmung und im Hinblick auf gezieltere Mund- und Zungenbewegungen (Artikulation), fuehrten wir in diesem Bereich folgende Uebungen durch: zum einen arbeiteten wir mit Clownkarten, die Jasmin selbstaendig zunaechst ziehen sollte. Anschliessend sollte sie die mund- oder zungenmotorische Uebung, die der Clown auf der Karte machte, nachmachen. Jasmin zeigte viel Freude bei diesen Uebungen und war immer besonders stolz, wenn ihr eine Uebung gelang. Unterstuetzend dazu setzten wir auch einen Holzspatel ein, um Jasmin noch einen zusaetzlichen taktilen Hinweis zu geben. Jasmin genoss besonders die Anwendung eines Minimassagesticks, den wir zunaechst ueber die Arme und Beine fuehrten und schliesslich im Gesicht anwendeten. Dieser Minimassagestick trug bei ihrer eher hypotonen Muskulatur im Gesichtsbereich zu einer Tonusregulierung bei. Zu Beginn der Therapie arbeiteten wir auch mit einem an einen Faden gebundenen Knopf, der im Mundvorhof zwischen Zaehnen und Lippen eingesetzt wird. Dann zieht man an dem Faden und die Lippen muessen diesem Widerstand standhalten. Leider bildete sich an Jasmins Zahnfleisch kurz darauf eine Afte, so dass wir diese Uebung nicht fortsetzen konnten. Wir empfehlen jedoch, dies unbedingt daheim fortzusetzen, um die Lippenkraft zu verbessern und auch den Mundschluss noch zusaetzlich zu foerdern.

Im Hinblick auf die Kommunikation forderten wir von Jasmin immer wieder adaequate Antworten und nahmen ihre Antworten ernst. Da uns die Eltern berichtet hatten, dass Jasmin „ja“ und „nein“ manchmal im Scherz verwende, so dass nicht mehr zu erkennen sei, was sie nun wirklich wolle, reagierten wir entsprechend auf ihre Antworten. Antwortete sie z.B. auf die Frage, ob sie nun auch mit Mateo schwimmen moechte mit „nein“, schwamm ich erstmal eine Runde allein mit Mateo. So wurde Jasmin deutlich, dass wir ihre Antworten ernst nahmen und sie sich dadurch vielleicht eine Chance verbaute. Ihre Antworten wurden im Verlauf der Therapie immer adaequater. Insgesamt probierte Jasmin viel Stimme und viele verschiedene Laute aus. Ihr gelang es sogar, ein deutliches /e/ (dazu muessen die Lippen breit gezogen werden) zu realisieren. Im Wasser konnte sie annaehernd korrekt die Worte „Ball“ und „Ring“ sprechen. Dann bekam sie auch sofort das geforderte Spielzeug, um damit zusammen mit Mateo, ihrem Delphin, zu spielen. Darueberhinaus versuchte sie immer wieder den Namen ihres Delphins, Mateo, nachzusprechen. Das Wort erwies sich als artikulatorisch sehr anspruchsvoll fuer Jasmin, aber es gelang ihr, drei Silben zu produzieren. Wir empfehlen, im Alltag immer wieder von Jasmin lautsprachliche Aeusserungen zu verlangen, wobei zunaechst nicht die korrekte Artikulation im Vordergrund steht, sondern die Aeusserung an sich. Wichtig ist naemlich, Jasmins Sprechfreude zu foerdern, zu erhalten und zu unterstuetzen.

Jasmin und ihr Delphin Mateo... haben sich von Anfang an gut verstanden und waren nach ein kurzen Eingewoehnungsphase fast unzertrennlich im Wasser. Es war deutlich zu sehen, dass die Beiden ihre gemeinsame Zeit miteinander sehr genossen haben.

Liebe Mini! Wir haben uns sehr gefreut, dich und deine Familie kennenlernen zu duerfen. Es hat uns viel Spass gemacht, mit dir zu arbeiten und auch zu lachen! Mach weiter so!

Herzliche Gruesse

Heike Ervenich

Dipl.-Sprachheilpaedagogin

 

Dies ist eine Zusammenfassung unserer Zeit im CDTC zur Erinnerung fuer Jasmin und ihre Familie. Sollte es offene Fragen zur Therapie oder zu detaillierteren fachlichen Informationen geben, so stehen wir gerne telefonisch oder per e-mail fuer Antworten zur Verfuegung – das Einverstaendnis der Eltern vorausgesetzt.

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